SG GERMANIA ZWENKAU
Handball aus dem Neuseenland
Di 05.05.2015
100 Tage Oliver Stockmar, das Interview

Hallo liebe Fans der SG Germania,
eine Faustregel des Journalismus besagt, dass für neue Amtsinhaber, nach 100Tagen die Einarbeitung beendet sein soll und erste Erfolge vorzuweisen sind.
Darüber wird berichtet und es wird bewertet, ob der „Neue“ auch am richtigen Platz ist.
Nun sind für unseren Trainer Oliver Stockmar 100 Tage vorbei und Ralf Kirbach hat mit Oliver ein kurzes Interview zur Einarbeitung und zu den ersten Erfolgen geführt.

Oliver, wie fühlst du dich nach den ersten 100 Tagen?

Ich habe nicht gemerkt, dass schon so viel Zeit vergangen ist. Ich fühle mich wohl in meiner neuen Rolle.

Hast du schon Überraschungen erlebt?

Natürlich. Die größte Überraschung war der Heimsieg über Hoyerswerda. Dort haben wir eine der Topmannschaften geschlagen und unter Beweis gestellt, wozu Leipzig/Zwenkau an guten Tagen fähig ist. Damals sind viele Sachen zusammen gelaufen und durch einen tollen Kampf haben wir den ersten Heimsieg gefeiert.
Auch war es für mich überraschend, wie frühzeitig wir uns aus der abstiegsbedrohten Situation lösen konnten. Wir haben in den 10 Saisonspielen 2015 mehr als doppelt so viele Punkte geholt, als in den 10 Spielen 2014. Dadurch stehen wir nunmehr im sicheren Mittelfeld und können in den letzten Saisonspielen ohne Druck aufspielen.

Was war der ausschlaggebende Grund als Trainer in Zwenkau anzufangen?

Als die Entscheidung getroffen wurde, dass ein Trainerwechsel vollzogen werden sollte, war nicht mehr viel Zeit bis zum Hinspiel gegen LVB II. Ich musste innerhalb kürzester Zeit eine Rückmeldung geben. Es gab schlussendlich drei wichtige Faktoren, die auschlaggebend waren. Die Situation der Zwenkauer Mannschaft hatte zur Folge, dass alle Spieler unter einem neuen Trainer vollen Einsatz zeigen mussten. Eine motivierte Mannschaft zu betreuen ist auch immer motivierend für den Trainer. So kann innerhalb kürzester Zeit sehr viel bewegt werden. Der zweite wichtige Punkt ist die Kooperation zwischen Germania Zwenkau und SC DHfK Leipzig. Ich traf durch diese Kooperation auf eine Mannschaft, die unterstützt wird von einigen Jugendspielern des SC DHfK. Alle Jugendspieler sind mir sehr gut bekannt, da ich sie täglich in meiner Co-Trainer Tätigkeit bei der A-Jugend betreue. Der dritte Punkt war, dass ich auf ein unterstützendes Arbeitsumfeld traf. Der Vorstand des Vereins war sehr darum bemüht, mir den Einstieg zu erleichtern und meine Trainerkollegen des SC DHfK Leipzig waren aufgeschlossen, Hilfestellungen in schwierigen Situationen zu geben.

Gab es bereits vorab Kontakte zur SG Germania Zwenkau?

Ich hatte Spiele in dieser Saison beobachtet. Ich kannte jedoch einige Spieler aus dem Trainingsbetrieb, da wir auch hier bemüht sind, unsere Kooperation zwischen Zwenkau und der Leipziger A-Jugend zu leben.

Was sind Deine persönlichen Ziele als neuer Trainer (und sind sie eingetroffen)?

Ich habe sehr ambitionierte persönliche Ziele als Trainer. Diese Tätigkeit möchte ich in Zukunft hauptberuflich ausführen können und investiere deshalb seit einiger Zeit einen großen Aufwand. Meine aktive Zeit habe ich an den Nagel gehängt und konzentriere mich voll auf meine Entwicklung als Trainer. In der Anfangszeit als Trainer konnte ich viel in der Jugendarbeit des SC DHfK Leipzig lernen und das ist heute immer noch so.
Mit der Übernahme der Zwenkauer Mannschaft kam nun der nächste Schritt. Die alleinige Verantwortung für ein Team. Dabei war mir enorm wichtig, dass wir das Ziel Klassenerhalt schaffen. Das Ziel haben wir sogar einige Spieltage vor Saisonende erreicht. Darüber hinaus konnten wir Mannschaften aus der Tabellenspitze ärgern und ich hoffe, dass wir das an den letzten beiden Spieltagen wieder schaffen.

Haben Dich die Spieler akzeptiert? Manche von Ihnen sind deutlich älter als Du?

Wie ich eben bereits angemerkt habe, traf ich zu Beginn auf eine hochmotivierte Mannschaft. Dazu gehört auch, dass man persönliche Befindlichkeiten zurückstellt und das große Ganze – in diesem Fall die Mannschaft – im Mittelpunkt steht. Dementsprechend habe ich zu Beginn meiner Tätigkeit in Zwenkau keinen Problemen gegenübergestanden, die meinem Alter zuzuordnen waren. Nach 100 Tagen in dieser Position ist zwischen Mannschaft und Trainer ein Respektsverhältnis entstanden, womit das Alter in den Hintergrund tritt.

Was kannst du über Deine Spieler sagen, wie zufrieden bist Du mit ihnen?

Ich bin mit dem Einsatz der Spieler zufrieden. Auch freut es mich, wie konstruktiv wir im Training arbeiten. Dadurch ist auch eine Entwicklung ersichtlich. Ich muss mir aber immer vor Augen halten, dass ich hier nicht mit Leistungssportlern, sondern mit Vätern, Selbstständigen etc. zusammen arbeite und man deshalb Abstriche machen muss. Das ist manchmal sehr frustrierend.
Wichtig ist aber, dass wir unsere Möglichkeiten immer vollkommen ausschöpfen. Dann hätten wir nach Spielen gegen Delitzsch oder Kamenz nichts zu bereuen gehabt.

Und? Schon was von Zwenkau gesehen?

Durch meine vielen Tätigkeiten (Zwenkau, SC DHfK Leipzig, Studium) habe ich bis jetzt nur unsere Heimspielstätte gesehen. Ich hoffe, dass ich das beim Beachhandballturnier oder beim Laurentiusfest nachholen kann!

Wie findest du die Fans?

Es freut mich immer wieder, dass uns neben der Unterstützung bei Heimspielen auch immer wieder Fans zu Auswärtsspielen begleiten. Ich setze alles daran, dass die Fans in Zukunft weiterhin auf ihre Kosten kommen und wir Ihnen attraktiven Handball zeigen können und Highlights wie Hoyerswerda kein Einzelfall bleiben!

Hast Du das Gefühl noch an Dir arbeiten zu müssen, um ein guter, sorry besserer, Trainer zu sein?

Natürlich. Ich mache gerade meine ersten eigenen Schritte und ich kann nicht sagen, dass ich bis hierhin alles richtig gemacht habe. Da gibt es noch viel Potenzial was es auszuschöpfen gilt. Zum Glück bin noch jung und habe somit viel Zeit mich weiterzuentwickeln.

Was sind die nächsten Schritte?

Zurzeit planen wir die nächste Saison. Wir haben hierbei noch Nachholbedarf, da die Nachwirkungen des Trainerwechsels noch zu spüren sind und wir in der Planung hinterher hängen.

Oliver, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg für Dich und unsere Jungs in der Sachsenliga!